Wenn der Rasen unter Beschuss steht — und warum Backpulver allein nicht reicht
Ein satt grüner, gleichmäßig geschnittener Rasen ist für viele Gartenbesitzer das schönste Erfolgserlebnis — bis ein paar sonnige Tage später unschöne Erdhügel mitten im Grün auftauchen. Die Bekämpfung von Schädlingen gewinnt im Juni besonders an Bedeutung, denn die Insektenaktivität erreicht in diesem Monat ihren Jahreshöhepunkt. Ameisen erfüllen in der Natur zwar eine wichtige Funktion als natürliche Aufräumkräfte, für Ihren Traumrasen werden sie jedoch zur unerwarteten Bedrohung — und zwar dann, wenn sich unterirdische Gänge zu einem ganzen Tunnelnetzwerk verbinden.
Siedeln sich Ameisen direkt im Wurzelbereich an, leiden die Rasenpflanzen schnell unter Trockenstress. Die Lufttaschen im Boden entziehen der Umgebung Feuchtigkeit und das Gras beginnt zu vergilben. Die meisten Gartenfreunde greifen dann sofort zu drastischen Mitteln — dabei gibt es gerade in der Frühphase elegantere Lösungen.
Das altbekannte Hausmittel und seine versteckten Tücken
Backpulver gilt seit Generationen als bewährter Geheimtipp, doch unkontrolliert gestreut kann es den pH-Wert des Bodens so stark verschieben, dass an der betroffenen Stelle kaum noch etwas wächst. Wer dennoch darauf setzen möchte, sollte es mit etwas Zucker mischen — das lockt die Ameisen an und sorgt dafür, dass sie das Gemisch tiefer ins Nest transportieren.
Eine weitaus schonendere Methode, die erfahrene Gärtner seit Jahren kennen, nutzt aromatische Abwehrstoffe. Ameisen orientieren sich hauptsächlich über ihren Geruchssinn — ein klares Duftzeichen genügt, um sie dauerhaft zu vertreiben. Besonders im Juni empfiehlt sich das Auspflanzen von Studentenblumen, die im Volksmund auch „Stinkblume“ genannt werden. Diese Pflanze produziert spezifische Thiophene, die Ameisen auf natürliche Weise abschrecken. Bereits 2 bis 3 Jungpflanzen pro Quadratmeter bilden eine wirkungsvolle aromatische Barriere am Rasenrand.
Wenn Düfte nicht ausreichen: Die Kaffeesatz-Barriere und die Kraft des Wassers
Lassen sich die Ameisen von Blütendüften nicht beeindrucken, ist es Zeit, ihre Orientierung direkt zu stören. Einer der wirksamsten, aber wenig bekannten Tricks ist die sogenannte Kaffeesatz-Barriere. Frischer Kaffeesatz eignet sich im Juni besonders gut, weil seine Textur und sein intensiver Geruch die Pheromonfährten der Ameisen effektiv unterbrechen. Verteilen Sie etwa eine Tasse getrockneten Kaffeesatz direkt auf den betroffenen Stellen.
Essig würde zwar ähnlich wirken, hat aber einen entscheidenden Nachteil: Im Gegensatz zu Kaffeesatz enthält dieser keinen Stickstoff. Kaffeesatz liefert dem Rasen diesen wichtigen Nährstoff und unterstützt so die Regeneration der geschädigten Rasenfläche.
Bei heißem Juniwetter, wenn die Temperaturen in Deutschland häufig über 25 °C steigen, lässt sich zusätzlich die Überflutungstechnik einsetzen. Ameisen meiden dauerhaft feuchte Böden — deshalb empfiehlt es sich, das Ameisennest an drei aufeinanderfolgenden Tagen gezielt mit je zehn Litern Wasser zu durchnässen. Das zerstört die Gangsstruktur so gründlich, dass die Königin die Kolonie in trockenere Bereiche außerhalb Ihres Grundstücks verlegt. Wer den Vorgang beschleunigen möchte, gibt dem Wasser einen Schuss Pfefferminzöl hinzu — dieses wirkt als starkes Repellent und verstärkt die vertreibende Wirkung erheblich.
Wenn die Natur selbst eingreift: Nematoden als unsichtbare Armee
Manchmal kehren Ameisen trotz aller Bemühungen hartnäckig zurück. In diesem Fall lohnt es sich, Verstärkung aus dem mikroskopischen Reich zu holen. Auf dauerhaft feuchtem Untergrund können Nematoden eingesetzt werden, die in Gartencentern oder im Fachhandel erhältlich sind. Diese winzigen Fadenwürmer sind für Ameisen eine natürliche Bedrohung. Sobald die Ameisen ihre Anwesenheit wahrnehmen, packen sie in aller Eile ihre Larven und verlegen das gesamte Nest in sicherere Gefilde — weit weg von Ihrem Rasen.
Während Sie auf erste Ergebnisse warten, sollten Sie unbedingt den unüberlegten Kauf chemischer Mittel vermeiden, ohne vorher die Inhaltsstoffe zu prüfen. Viele Produkte versprechen zwar sofortige Wirkung, sind jedoch giftig für Bienen oder Haustiere. Sinnvoller ist es, auf Prävention zu setzen und natürliche Fressfeinde im Garten zu fördern — etwa Vögel oder Laufkäfer, die die Insektenpopulation dauerhaft und ohne Ihr weiteres Zutun regulieren.
So gehen Sie am besten sofort vor
Beginnen Sie am besten schon morgen früh damit, Kaffeesatz auf frischen Erdhügeln zu verteilen — genau dann, wenn die morgendliche Ameisenaktivität am höchsten ist. Die zweite Welle stoppen Sie durch regelmäßiges Bewässern in den frühen Abendstunden, damit der Boden für neue Nester dauerhaft unattraktiv bleibt.
- Kaffeesatz auf Ameisenhügel streuen — unterbricht Pheromonfährten und düngt gleichzeitig den Rasen
- Studentenblumen am Rasenrand pflanzen — 2 bis 3 Pflanzen pro Quadratmeter als natürliche Duftbarriere
- Gezielte Überflutung an drei aufeinanderfolgenden Tagen mit je zehn Litern Wasser pro Nest
- Pfefferminzöl ins Gießwasser mischen, um die Vertreibungswirkung zu verstärken
- Nematoden auf feuchtem Untergrund einsetzen als biologische Langzeitlösung
- Chemische Mittel nur nach sorgfältiger Prüfung der Inhaltsstoffe verwenden













