Russische Milliardäre fürchten um ihr Vermögen, während der Kreml Vermögensbeschlagnahmen beschleunigt

Wachsende Unruhe unter Russlands Superreichen

Russlands vermögendste Geschäftsleute sind zunehmend in Alarmbereitschaft. Eine Bloomberg-Analyse zeigt: Die ausufernden staatlichen Eingriffe, Vermögensbeschlagnahmen und kriegsbedingten Wirtschaftsbelastungen bedrohen selbst die größten Privatvermögen des Landes.

Selbst Oligarchen, die als enge Vertraute Wladimir Putins gelten, sind offenbar nicht mehr vor staatlichem Zugriff sicher. Die Botschaft aus dem Kreml wird immer deutlicher – und die Nervosität in der russischen Geschäftswelt wächst entsprechend.

Eine Kampagne mit breiter Reichweite

Seit dem Beginn der umfassenden Invasion in der Ukraine hat die russische Regierung ihre Nationalisierungskampagne merklich intensiviert. Betroffen sind Unternehmen aus den Bereichen Energie, Landwirtschaft, Transport, Infrastruktur und Chemieindustrie.

Analysten zufolge reicht politische Loyalität heute möglicherweise nicht mehr als Schutzschild aus. Viele wohlhabende Russen sollen befürchten, dass ihre Unternehmen jederzeit und ohne Vorwarnung ins Visier geraten könnten.

Aufsehenerregende Einzelfälle

Besonders ins Auge fällt der Fall des Agrarunternehmers Wadim Moschkowitsch, der die Kontrolle über bedeutende Anteile an der Rusagro-Gruppe verlor. Die russische Staatsanwaltschaft argumentierte, seine politischen Aktivitäten und Geschäftsinteressen stünden im Widerspruch zu nationalen Vorschriften.

Ein weiteres Beispiel ist der Geschäftsmann Konstantin Strukov, der nach Korruptionsvorwürfen offenbar die Kontrolle über seine Bergbau- und Landwirtschaftsbetriebe einbüßte. Bemerkenswert dabei: Strukov war zuvor mit staatlichen Auszeichnungen geehrt worden und Mitglied der Regierungspartei Einiges Russland gewesen.

Der Umfang der staatlichen Expansion

Schätzungen zufolge, die Bloomberg zitiert, wurden in den vergangenen Jahren Vermögenswerte im Gesamtumfang von rund 4 Billionen Rubel unter staatliche Kontrolle gebracht. Als offizielle Begründungen dienen häufig Korruptionsermittlungen, Belange der nationalen Sicherheit oder Streitigkeiten rund um Privatisierungen aus den 1990er-Jahren.

Als Reaktion darauf drängen russische Unternehmensführer zunehmend auf einen stärkeren rechtlichen Schutz für Privateigentum. Ein kürzlich verabschiedetes Gesetz führt eine zehnjährige Verjährungsfrist für die Anfechtung von Privatisierungsgeschäften ein – korruptionsbezogene Fälle bleiben jedoch weiterhin ausgenommen.

Der wirtschaftliche Druck des Krieges

Hinter verschlossenen Türen soll Putin führende Geschäftsleute bei einem Treffen im März aufgefordert haben, freiwillige finanzielle Beiträge an den Staat zu leisten. Dieses Gespräch fand vor dem Hintergrund wachsender Haushaltsbelastungen durch den Ukrainekrieg statt.

Dem Vernehmen nach sagte der Unternehmer Suleiman Kerimow dabei 100 Milliarden Rubel zu, während weitere wohlhabende Teilnehmer ebenfalls Unterstützung signalisierten. Analysten betonen, dass die Kombination aus steigendem Budgetdruck und ausgreifender staatlicher Kontrolle die Sorgen der russischen Wirtschaftselite um die Sicherheit ihrer Vermögen weiter verschärft.

Author

  • Madeleine zählt zu den einflussreichsten Umweltaktivistinnen Österreichs. Die in Wien lebende Bloggerin hat ihren Blog zu einer umfassenden Plattform für nachhaltiges Wohnen ohne Komforteinbußen ausgebaut. Sie gibt Tipps zur Abfallvermeidung (Zero Waste) und zur Organisation des Kleiderschranks.

Scroll to Top