Ein Fachgebiet verschwindet aus dem offiziellen Register
Russland streicht die Sexologie ab September aus seiner offiziellen Liste anerkannter medizinischer Fachrichtungen. Die Entscheidung ist Teil einer umfassenderen Neustrukturierung des nationalen Gesundheitsregisters.
Gleichzeitig mit den Streichungen führen die Behörden eine neue Spezialisierung ein, die sich auf gesundes Altern und ein langes Leben konzentriert.
Was das Reformdekret konkret vorsieht
Das russische Gesundheitsministerium hat ein Dekret verabschiedet, das ab dem 1. September die Sexologie aus dem offiziellen Berufsregister des Gesundheitswesens streicht.
Insgesamt werden im Rahmen dieser Reform 16 medizinische Berufsbezeichnungen abgeschafft, während gleichzeitig 11 neue Fachrichtungen eingeführt werden. Drei weitere Berufe sollen bis spätestens September 2028 schrittweise auslaufen.
Die zuständigen Behörden betonen, dass die Patientenversorgung durch diese Veränderungen nicht beeinträchtigt werde.
Übergangsregelungen für betroffene Ärzte
Viktor Fomin, Leiter der Akademie für kontinuierliche medizinische Weiterbildung des Gesundheitsministeriums, erklärte, dass Mediziner in den betroffenen Fachgebieten ausreichend Zeit für eine Umschulung erhalten werden.
„Berufe wie Stadtkinderarzt, Jugendarzt, Jugendpsychiater und Diabetologe entstanden zu verschiedenen Zeiten als lokale Antworten auf spezifische Bedürfnisse“, sagte Fomin gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS.
Medizinisches Personal, dessen Stellen wegfallen, soll demnach die Möglichkeit erhalten, in andere Bereiche der Medizin zu wechseln. Das Ministerium erwartet keine Versorgungslücken.
Kritik aus der Fachwelt
Die Abschaffung der Sexologie stößt bei einigen Fachleuten auf deutliche Kritik. Derzeit gibt es in ganz Russland weniger als 100 vollständig zertifizierte medizinische Sexologen.
Der Sexologe Dmitri Orlow bezeichnete das Fachgebiet als eine „einzigartig russische medizinische Innovation“. Er argumentierte, dass die Disziplin Expertise aus Psychotherapie, Urologie, Gynäkologie, Endokrinologie und Psychiatrie miteinander verbinde – eine Kombination, die so in keiner anderen Fachrichtung zu finden sei.
Neue Spezialisierung: Arzt für gesundes Altern
Parallel zur Abschaffung bestehender Fachrichtungen führen die Behörden eine neue Spezialisierung namens „Arzt für gesunde Langlebigkeit“ ein.
Experten im Gesundheitswesen sehen darin eine direkte Reaktion auf die steigende Lebenserwartung der russischen Bevölkerung. Natalja Malyschewo von der privaten Klinikkette SM-Clinic erläuterte, dass das Fachgebiet Elemente aus der Inneren Medizin, Kardiologie, Endokrinologie, Geriatrie, Ernährungswissenschaft und Präventivmedizin vereint.
Die gesamte Reform steht im Zeichen eines breiteren Bestrebens, das russische Gesundheitssystem an den demografischen Wandel und eine zunehmend alternde Gesellschaft anzupassen.













